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Coaching- und Mediationsfälle von Klarau (2. Teil)



Mit Hilfe von spannenden oder lustigen Geschichten wollen wir die Mediation einem breiteren Publikum näherbringen. Mediation ist eine wunderbare Möglichkeit, Konflikte lösen zu helfen.

Die Basis meiner Geschichten bildet ein Kriminalroman, den ich 2012 unter dem Pseudonym ‚von Klarau‘ geschrieben habe. Der Hauptprotagonist im Roman ‚Schmuggelware‘ – Clement von Klarau – ist Mediator. Im Roman wird Clement ohne Zutun und Verschulden in ein Verbrechen verwickelt. Bei der Lösung des Falles helfen ihm seine Mediations-Fähigkeiten. Daneben geht er nach wie vor seiner Berufung und seinem Beruf als Mediator nach und hilft, Konfliktparteien ihre Auseinandersetzungen einvernehmlich zu lösen.

Aus der ersten Geschichte konnten die 5 Phasen einer Meditation herausgelesen werden. Im 2. Teil wirst Du nun weitere Protagonisten aus dem Roman kennenlernen. Du wirst diverse Mediations-Techniken im Einsatz erleben.

Ich hoffe, Du hast ein wenig Spass beim Lesen der zweiten Episode und lernst dabei vielleicht etwas Neues über die Mediation, wie Mediatoren und Coaches denken und erfährst zudem das eine oder andere «Mediations-Geheimnis». Hinweis: Da die Originale dieser Mediations-Geschichten in ein Buch eingebettet sind, kann es sein, dass einige Passagen auf Gegebenheiten, Orte oder Menschen hinweisen, die an anderer Stelle im Buch vorkommen. Entsprechend kann der Leser ein paar Details vermissen. Ich traue jedoch den Lesern zu, evtl. fehlende Elemente mit der eigenen Fantasie zu ergänzen.

Andreas Betschart


Handlung und Personen sind frei erfunden. Sollte es trotzdem Übereinstimmungen zu lebenden oder verblichenen Personen geben, so würden diese auf jenen Zufällen beruhen, die das Leben so vorgesehen hat.

„Die Kirche sagt, du sollst deinen Nächsten lieben. Ich bin überzeugt, dass sie meinen Nachbarn nicht kennt“

Peter Ustinov – 1921 – 2004, engl. Schriftsteller u. Schauspieler


Als Felicia und ich vor bald zwanzig Jahren heirateten, nahm ich ohne zu zögern den Namen meiner Frau an. Clement von Klarau hatte in meinen Ohren einen wohlklingenden Klang. Und es stand eh nie zur Debatte, dass Felicia ihren Familiennamen ablegen würde. Das waren wir auch eventuellen Nachkommen geschuldet, obwohl ich Felica erläutert hatte, dass ich keine Kinder wollte.


Zudem gefiel ich mir zugegebenermassen auch in der Rolle als Lehnsherr. Felicia gab mir nie zu spüren, dass ich kein Geborener von Klarau war.


Ganz anders mein Schwiegervater Paul.


Ich glaube, Paul hatte nicht persönlich etwas gegen mich. Jeder, der seine Tochter geheiratet hätte, wäre seiner Anfeindung ausgesetzt gewesen.


Paul und ich gaben uns seit Jahren Saures.


Wir waren zudem beide nicht auf den Mund gefallen, was zu entsprechend längeren Schlagabtauschen führen konnte.


Über die Jahre hatten wir unseren Kampf perfektioniert. Wir befanden uns über alles gesehen in einer Pattsituation.


Wenn ich ehrlich war, genoss ich auch unser Spiel und hätte ungern drauf verzichtet. Paul ging es sicher gleich. Nicht, dass wir das je zugegeben hätten.

Felicia hatte uns jedoch schon lange durchschaut und unterstützte jeweils immer einen von uns tatkräftig und sorgte so dafür, dass der ‚Konflikt‘ weiterschwelte. Dabei war sie unberechenbar. Keiner von uns konnte auf ihre Hilfe zählen. Sie konnte sowohl denjenigen von uns unterstützen, der gerade unter die Räder kam oder ihn auch gleich komplett Knock-out setzen.


Ich war 46 Jahre jung, fand mich attraktiv, smart, intelligent und ein wenig eingebildet.

Ich hatte vor Jahren meinen Beruf als IT-Software-Entwickler in einer Bank an den Nagel gehängt. Das war einer der Vorteile, in eine reiche Familie einzuheiraten: Arbeiten musste ich nicht mehr.


Ich hatte nie Mühe mit der Situation, dass meine Frau mehr Geld hatte. Mein Selbstwertgefühl war sehr ausgeprägt.


Untätig war ich jedoch nicht und wollte ich auch nicht sein. Dolce far niente war noch nie mein Ding gewesen.


Ich hatte mich weitergebildet und mich auf Mediationen spezialisiert, sowohl auf Wirtschafts- als auch Familienmediationen. Dabei verdiente ich auch gutes Geld und lag Felicia nicht auf der Tasche. Ich achtete auf regelmässige Arbeitszeiten: Montag bis Donnerstag ‚nine to five‘, was ich immer mal wieder gerne erwähnte, wenn ich meine ehemaligen Arbeitskollegen traf.

In der Mediation konzentrierte ich mich je länger je mehr auch auf Fälle, sprich Konflikte, mit nachbarschaftlichem oder familiärem Hintergrund. Dabei kam es nicht selten vor, dass ich meinen Stundenlohn stark reduzierte, wenn ich sah, dass beide Parteien finanziell nicht gerade gesegnet waren. Ganz verzichtete ich jedoch nie auf ein Entgelt, und wenn ich auf einen grösseren Teil verzichtete, so gab ich das erst bekannt, wenn die Mediation vor einem Abschluss stand.


Ich war der Ansicht, dass eine Bezahlung meiner Mediationstätigkeit immer gerechtfertigt war. Ich war kein Altruist und machte das nicht nur aus Menschenliebe. Zudem wurden die Parteien angehalten, den Mediationsprozess auch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Konzentration anzugehen. Es war ja ihr Geld. So platt das auch tönte: Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass wenn die Mediation gar nichts kostete, auch der Wert dementsprechend geringer betrachtet wurde.


Für den Ort der Durchführung einer Mediation hatte ich eine eiserne Regel: Mediationen fanden nur bei mir zuhause statt.


Dazu nutzte ich das Kaminzimmer.


Das brachte mit sich, dass ich auch nicht alle Fälle zugesprochen bekam. Gerade in der Wirtschaftsmediation, wenn es um den Konflikt zweier Unternehmen oder auch innerbetrieblicher Konflikte ging, waren mitunter die Örtlichkeiten der Gespräche eine heikle Angelegenheit.


So konnte es sein, dass eine Partei aus Granburg sich sehr wohl für die Durchführung der Gespräche in meinem Haus aussprechen konnte, jedoch z.B. eine Partei der Stadt Moltenberg, die 20km entfernt im Bezirk Weiningel ihren Sitz hatte, dies schon als parteiisch empfand. Ich fackelte bei solchen Querelen nicht lange: Vogel friss oder stirb war hier mein Motto.


Ich betrieb Mediation seit fünf Jahren. Die meisten Mediationen hatte zur Zufriedenheit der Parteien gelöst. Ich hatte aber auch Misserfolge.


Bezeichnend war, dass ich den eigenen Konflikt mit meinem Schwiegervater Paul nicht lösen konnte, wobei wahrscheinlich auch kein wirklicher Handlungsbedarf bestand. Dieser Konflikt war da, um gelebt zu werden.


Neben der Mediation war ich auch im Täter-Opfer-Ausgleich tätig. Hier kam die Initiative jeweils immer von der Staatsanwaltschaft oder von einem Gericht aus. Dabei stand die Wiedergutmachung einer Tat durch den Täter gegenüber dem Opfer im Zentrum. Der Täter hatte dabei erhebliche persönliche Leistungen zu erbringen oder Entschädigung zu leisten. Verfahrenstechnisch gab es viele Parallelen zur Mediation. Der Beginn war jedoch anders, so führte ich immer getrennte Vorgespräche durch, bevor ich die Parteien bei mir zu Gesprächen zusammenführte.


In der Tätigkeit als Mediator hatte ich meine Berufung gefunden. Ich hatte Spass an der Mediation und freute mich, wenn ich die Konfliktparteien so weit brachte, dass sie selbst gangbare und für alle Seiten tragbare Lösungen entwickelten.