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TrafoBoostDay Rückblick: Forumtheater zum Umgang mit Widerständen in einer Transformation

Schauspieler auf der Bühne? Das ist keine Seltenheit. Nicht allzu oft können jedoch Zuschauer:innen direkt ins Geschehen eingreifen. Das ist genau Ziel des Forumtheaters, das am TrafoBoostDay zum Zug kam: Mit Hilfe von verschiedenen Szenarien können Zuschauer:innen die Konflikte, die entstehen können und Probleme, die es zu bewältigen gibt, erleben statt immer nur theoretisch zu besprechen.

Beim Betreten des Raums wird man sofort mit einer Theateratmosphäre erfüllt. Es gibt einen Halbkreis mit Stühlen für die Zuschauer:innen und es stehen vereinzelte Kulissen wie eine Kaffeemaschine und ein Tisch da.

Die beiden Schauspieler:innen stellen sich kurz vor und dann beginnen sie sogleich mit der ersten Szene. Es ist eine alltägliche Situation: Martina und Valentin treffen sich im Sitzungszimmer und reden über ihre Projekte. Als ihr Gespräch zu Ende ist, stoppen sie und wenden sich dem Publikum zu. Nun verlassen sie auch ihre Rollen und wenden sich an das Publikum. Die Aufgabe des Publikum ist es nun, in kleinen Gruppen die Szene zu besprechen und eventuelle Auffälligkeiten zu sammeln. Dies wird danach im Plenum besprochen. Bereits nach dieser einen kurzen Szene kommt eine ganze Menge an Beobachtungen zusammen. Martina und Valentin scheinen Kommunikationsprobleme zu haben: Das Publikum geht davon aus, dass Martina und Valentin aneinander vorbeigeredet haben. Dabei werden sowohl das Gesagte als auch die Körpersprache der Beiden genau analysiert. Allerdings hat das Publikum zu Beginn noch etwas Mühe, der Geschichte zu folgen, denn viele inhaltliche Hintergründe fehlen noch und werden nach und nach gegeben. Bevor es aber mehr inhaltliche Informationen gibt, wird die Sitzungszimmerszene ein zweites Mal gespielt und dieses Mal haben die Zuschauer:innen, die nach und nach immer mehr zu Teilnehmer:innen werden, die Möglichkeit, die Szene zu stoppen, sobald ihnen etwas auffällt. Sie können dann auch gleich Tipps geben, wie sich Martina und Valentin besser verhalten könnten. Viele finden, dass Valentin etwas unfreundlich scheint, also wird die Szene gleich zu Beginn gestoppt, mit dem Vorschlag, Valentin solle Martina früher grüssen. Diese reagiert dann gleich darauf und scheint etwas offener, wo sie noch beim ersten Durchgang der Szene vor allem durch ihre Verschlossenheit aufgefallen ist. Eine Zuschauerin wird gleich gebeten, selbst einmal Valentin zu spielen, um gleich ausprobieren zu können, wie sich kleine Verhaltensänderungen auf Martina und somit die ganze Szene auswirken.


Wie funktioniert ein Forumtheater?

Die Bühne sei wie ein Labor wird erklärt. Die Idee hinter dem Forumtheater ist, dass man seine Hypothesen immer gleich testen kann, um zu schauen was passiert. Es ist eine praktische Art und Weise Probleme aufzuarbeiten und agile Strategien auszuprobieren. Nach jedem «Stopp» der Zuschauer:innen werden im Plenum die Veränderungen besprochen. Es werden neue Hypothesen aufgestellt. Die beiden Schauspieler:innen haken dabei oft nach. Sie fragen beispielsweise «warum ist dieses Verhalten gut oder schlecht?» oder «Kannst du das noch ausführen?». Dabei erzwingen sie eine sehr genaue Auseinandersetzung mit dem Thema.


Um den Zuschauer:innen noch ein bisschen mehr Verständnis zu dem grundsätzlichen Problem von Martina und Valentin zu geben, spielen die Schauspieler:innen Stück für Stück andere Szenen. Auf einer Zeitachse ist die Sitzungszimmerszene die späteste, nun werden einzelne Fetzen von dem vorherigen Geschehen gezeigt, um das Problem verständlich zu machen. So erfährt man von einem Streit an einer Kaffeemaschine oder von einem Telefongespräch. Langsam beginnt man zu verstehen, wo die Konflikte zwischen den beiden liegen. Valentin ist enttäuscht, weil er weiss, dass Martina in anderen Workshops viel aktiver und motivierter mitarbeitet. Martina fühlt sich nicht gut eingebunden, weil Valentin ihr ein Telefonat verheimlicht hat.


Dabei geht es um zwei wichtige Themen, nämlich die Gruppendynamik und die individuelle Sinnhaftigkeit. In der Gruppendynamik haben die beiden Mühe mit dem Kommunizieren, sie kommen aus zwei sehr verschiedenen Bereichen, Informatik und Marketing. Auch kämpft Martina damit, ihren Purpose im Projekt zu finden. Der individuelle Purpose ist aber notwendig, denn meist ist der allgemeine Purpose des Unternehmens zu wenig motivierend.


Wie es mit Martina und Valentin genau weitergeht, werden die Teilnehmer:innen nie erfahren, doch können sie nun in ihren Firmen Konflikte besser lösen und ihre Projekte erfolgreich beenden. Martinas und Valentins Situation ist vielen bekannt. Doch mit dem Forumtheater gibt es die Möglichkeit, es einmal von aussen zu betrachten und nüchterner die Situation analysieren zu können.



Auch dich beschäftigt das Thema Sinnhaftigkeit? Deine Organisation kennt ihren Purpose noch nicht?


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